Zukunftstrends der Wohnungswirtschaft

Pro Jahr werden 80.000 zusätzliche Mietwohnungen im geförderten Bereich und rund 60.000 Mietwohnungen im bezahlbaren Segment benötigt. Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie der Wohnungsknappheit gerade in den Ballungszentren und an Hochschulstandorten begegnet werden kann. Ein wichtiges Ziel des Aktionsprogramms zur Intensivierung des Wohnungsbaus ist es, serielles und modulares Bauen für ansprechenden und günstigen Wohnraum zu forcieren.

Gerade wenn, wie beim Wohnungsbau, Gebäude mit vielen identischen Nutzungseinheiten entstehen, ist serielles bzw. modulares Bauen sinnvoll. Durch die standardisierte Planung von Wohnanlagen und die industrielle Herstellung von Gebäudemodulen lassen sich Prozesse effizienter gestalten und Bauzeiten reduzieren. Mit dem Einsatz von architektonischen Prototypen und Moduleinheiten kommen Staffeleffekte zum Tragen. Das heißt: Je höher die Stückzahl, desto günstiger der Preis. Darüber hinaus können die Kosten beim seriellen und modularen Bauen sicherer kalkuliert werden als bei anderen Bauweisen. Für private Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bedeutet das die Chance auf große Auftragsvolumen, die zu besonders wirtschaftlichen Konditionen realisiert werden können.

Seriell gefertigte Wohnbauten können als Teillösung für das Problem des Wohnraummangels in deutschen Großstädten dienen. Ihre schnelle Realisierung kann zur Entlastung angespannter Märkte beitragen. Dabei wird der serielle Wohnungsbau von heute nicht die „Platte von morgen“ sein. Es wird großer Wert auf eine hohe architektonische und städtebauliche Qualität und die Berücksichtigung baukultureller Belange gelegt. Die Wohnbauten sollen dabei so flexibel sein, dass sie an unterschiedliche Standortbedingungen angepasst werden können.

Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer betont: „Nur gut gestaltete Wohnungen und Häuser erfreuen sich über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte großer Beliebtheit und Anziehungskraft. Es wird keine neuen Plattenbausiedlungen geben. Die Architekten und Stadtplaner sehen einen langfristigen Erfolg des seriellen Wohnungsbaus zwingend mit integrierten Stadtentwicklungskonzepten verknüpft.“

Ausschreibung einer Rahmenvereinbarung im seriellen Bauen

Um das serielle Bauen voranzutreiben und das Bewusstsein für die damit verbundenen Potenziale zu fördern, haben das Bundesbauministerium und die Wohnungswirtschaft Ende Juni 2017 eine Rahmenvereinbarung in einem Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb öffentlich ausgeschrieben. Die europaweite Ausschreibung erfolgte mit dem Ziel, eine Rahmenvereinbarung über den Neubau von mehrgeschossigen Wohnbauten in serieller und modularer Bauweise mit Planern und Baugewerbe gemeinsam abzuschließen.

Das neuartige Verfahren bietet den Vorteil, konkrete Angebote aus der Rahmenvereinbarung mittels Einzelaufträgen direkt zu realisieren – zu einem festen Preis, der alle Kosten bis auf die lokale Anpassung umfasst. Die Vorlaufzeiten für Bauvorhaben sollen sich durch dieses Verfahren wesentlich verkürzen.

Teilnehmer des Modulbau-Wettbewerbs stehen fest

Inzwischen wurden aus der unerwartet hohen Bewerberanzahl die bestplatzierten Teilnahmeanträge ausgewählt. Bis Ende Oktober 2017 konnten die ausgewählten Teilnehmer ihre konkreten Angebote für seriellen und modularen Wohnungsbau einreichen.

In einem weiteren Schritt erfolgt seit Anfang Dezember die Prüfung und Bewertung der Angebote nach speziell ausgearbeiteten Kriterien durch ein eigens einberufenes Bewertungsgremium, das sich aus Experten der Bau- und Wohnungswirtschaft, Forschung und des Bundesbauministeriums zusammensetzt. Ziel des Wettbewerbs ist es, im Frühjahr 2018 eine Rahmenvereinbarung über den Neubau von mehrgeschossigen Wohngebäuden in serieller und modularer Bauweise mit insgesamt fünf bis zehn Bietergemeinschaften aus Planung und Ausführung abzuschließen.

„Mit den von der Bauindustrie prognostizierten 320.000 neuen Wohnungen bis Ende 2017 sind wir jetzt ganz nah dran an den jährlich benötigten 350.000 neuen Wohnungen“, berichtet Bundesbauministerin Barbara Hendricks. „Das zeigt, dass wir in den letzten drei Jahren mit dem Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen die Trendwende am Wohnungsmarkt geschafft haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit serieller und modularer Bauweise einen weiteren Beitrag leisten können, um die Baukosten zu verringern und mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Deshalb freue ich mich, dass wir mit dem europaweiten Wettbewerb eine so große Resonanz bei Architekten, Fachplanern und der Wohnungs- und Bauwirtschaft erreicht haben und die ausgewählten Teilnehmer jetzt zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert werden können. Da das Verfahren technologieoffen angelegt ist, erhoffen wir uns, dass in den Angeboten die große Vielfalt des seriellen und modularen Bauens zum Ausdruck kommt und architektonisch und städtebaulich hochwertige Lösungen präsentiert werden.“

Vorreiter im Modulbau: Die Lechner Group

Auch private Bauträger entwickeln auf dem Gebiet des seriellen und modularen Bauens interessante Konzepte und bringen große Kompetenzen ein. So konnten sie sich im Rahmen des europaweiten Wettbewerbs erfolgreich positionieren.

Einer der ausgewählten Bieter, die bis Ende Oktober 2017 ihre Angebote einreichen konnten, ist die Lechner Immobilen Development GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Die mittelständische, in der vierten Generation eigentümergeführte Lechner Group mit über 400 Mitarbeitern wurde im Jahr 1904 als Bauunternehmen gegründet. Die wichtigsten Geschäftsfelder sind die Baustoff- und Fertigteilproduktion, Projektentwicklung und Projektmanagement sowie schlüsselfertiges, serielles und modulares Bauen. Seit 1981 wird am Stammsitz in Uehlfeld/Aisch serieller Wohnungsbau gefertigt. 1994 nahm das Unternehmen in Glauchau/Sachsen ein zweites Fertigteilwerk für die Herstellung von Wänden, Decken und Systemelementen mit dem klimaPOR-Bausystem in Betrieb. Seit 2003 ergänzt das Rötzer Ziegel-Element-Werk die Fertigteilproduktion mit Wand-, Decken- und Massivdachfertigung das Portfolio. Um den modularen Massivbau voranzutreiben, wurden im Jahr 2015 die Deutsche HausManufaktur GmbH sowie die ModulhausFabrik GmbH als weitere Tochterunternehmen gegründet. Dort werden im sogenannten Glockenguss-Verfahren in eigens dafür konzipierten Schalungen in kürzester Zeit Wohnraum-Module aus massivem Stahlbeton hergestellt. Der gesamte Herstellungsprozess geschieht, wie in der Automobilindustrie schon lange üblich, mit Montageschlitten über ein Fließbandverfahren. Einzelne Fertigungsschritte werden auf Produktionsstraßen, wetterunabhängig, in eigenen Hallen durchgeführt. Im Modulhaus-Werk werden komplett ausgebaute und mit allen Installationen ausgestattete Wohneinheiten vorgefertigt. Fenster, Türen, Boden- und Wandbeläge, HSE, selbst die komplette Badeinrichtung sind bereits eingebaut, wenn die Module zur Endmontage auf die Baustelle angeliefert werden. Der Fertigungsgrad vor Transport zum jeweiligen Grundstück beträgt über 90 Prozent. Durch mehrere Modulbreiten und -längen sowie die Möglichkeit, Räume zu öffnen und variabel zu unterteilen, sind die Voraussetzungen für eine große Wohnungsvielfalt gegeben. Dabei ist die Modularität durch die vielseitige Fassadengestaltung nicht ablesbar. Um für jeden Standort das gewünschte Fassadenbild entwerfen zu können, arbeitet die Lechner Group mit unterschiedlichen Planungsbüros bei den Fragen der Fassadengestaltung und Grundrissanforderung zusammen. Sämtliche Module entsprechen der EnEV 2016/KfW55.

„Die Zeitersparnis für Projekte in serieller und modularer Bauweise sind beträchtlich“, erklärt Geschäftsführer Bernd Lechner. „Sie beträgt ab Auftragserteilung mindestens 50 Prozent gegenüber konventioneller Bauweise. Vorteilhaft ist auch, dass die seriellen und modularen Bauprojekte jeweils für den Wohnungsbedarf von Kommunen, Kreisen, Baugenossenschaften und Stadtentwicklungsgesellschaften adaptierbar sind.“ Frank Otters, Vertriebsleiter im Hause Lechner für modulares Bauen weiß: „Auch die Fassaden können nach Wunsch, Bedarf und Umfeld bereits im Werk frei gewählt werden. Sogar eine Glas-Alukonstruktion mit integrierter PV-Anlage ist in der Außenfassade gerade für Bestandshalter aus energetischer Sicht hochinteressant.“

Fotonachweis: Lechner Group

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